Echo von Karte.

Projektion von Welt.
Text: Cornelia Lein
Video: Felix Stekl, Bernadette Meisel
Fotos: Cati Donner

Ein Gebiet so gross wie ein Kontinent. Wo steigen wir ein? Der schwarzen Linie folgend gerade aus, umkreisen wir kleinere Flächen. Breiten und Längengrade unbekannt. Wir kennen die Erde doch. Die Karten. Haben ein klares Bild. Wir in der Mitte. Der Mittelpunkt. Linien als Andeutung an eine vertraute Ordnung. An den Rändern beginnt es zu bröckeln. Wird der Raum verschränkt. Risse, Fragmente, die sich einer Richtung entziehen. Woran orientieren wir uns? Und was erzählen uns die Formen, die am Seitenrand Auskunft geben wollen? Die Legenden. Farben. Unterteilungen. Wir scannen die schwarze Fläche, die Linien und tauchen in die Leerstellen ein. Gleiten weiter eine Kurve entlang. Transparenzen. Schichten. Abrücke. Wir biegen uns um den Globus, um den richtigen Abstand zu finden. Den Äquator um den Bauch gelegt, strecken wir den Kopf über den angedeuteten Pol. Ein schneeweißer Vermessungspunkt ist eingegossen. Um die kreisrunde Form eröffnet sich ein Relief aus Linien. Buchstaben. Perspektiven. Aufgefaltet im Raum. Die Erde ist ein Zylinder. Wir befinden uns in einem Zylinder. Die Landkarten, die wir mental gespeichert haben – wir krümmen uns in ihnen. Wie weit sind wir entfernt voneinander als Fläche? Der Schädel am Scheitel in zwei Hälften geteilt. Schiffe ziehen langsam hinter dem Ohr vorbei. Durch die Kopfhaut, die Kontinente und Weltmeere auf den Zylinder geworfen. Mercator-Projektion, schon vor Jahrhunderten in der Seefahrt eingesetzt. Verzerrter Raum zugunsten von messbaren Abständen.

Lineal – Feder – Tusche – Wischen
Lineal – Feder – Tusche – Wischen – Schwarz

Schiebst es nach – Schiebst es nach

Lineal – Feder – Tusche – Wischen
Lineal – Feder – Tusche – Wischen – Schwarz

S. blättert durch die Atlanten, sammelt die Projektionen. Scannt. Zeichnet nach. Schneidet aus. Belichtet. Druckt. Giesst nach. Lässt Räume entstehen. Keine bestimmbaren Orte. Gefundenes. Die Arbeit mit den Collagen wie auch mit den Gipsplatten sind Versuche vom mathematisch Konstruierten zurück zu etwas Topografischem zu gelangen. Auch in den Siebdrucken versucht sie, das Konstituierte wieder zu brechen. Die Flächen suggerieren Tiefe und bleiben doch unmittelbar abgegrenzt. Verwehren sich der Zuschreibung. Wie viel Informationen braucht es? Der Welt, die beim Blättern fragmentarisch vorüberzieht, setzt S. eine Gleichzeitigkeit gegenüber. Erfassbar auf einen Blick. Vermessen. Der Meeresgrund liegt noch im Dunkeln. Wie die Wellen brechen. Der Schall macht keinen Unterschied zwischen Riff und schwimmendem Getier. Kartografische Überlagerungen. Die Linien als Zeitzeugen im steten Wandel. Datenbasiert. Satellitenbilder. Raster. Ideen wie im Drohnenflug. Zurück und wieder vorwärts gespült. Jeder Strich ein Wischen. Schieben. Schwingen. Die Topografie wird zur eigenen Sprache, zum Code. Zwischendurch nähert sich S. im automatisierten Zeichnen an. Ein Kopfausruhen. Der Stift wird heller. Glitched. Ein tonaler Prozess. Wir lauschen dem Echo der Karten.

Echo of map.

Projection of world.
Text: Cornelia Lein
Photos: Cati Donner
Video: Felix Stekl, Bernadette Meisel

An area as big as a continent. Where do we get in? Following the black line straight out, we circle smaller areas. Latitudes and longitudes unknown. We know the Earth, don’t we? The maps. Have a clear picture. Us in the middle. The center point. Lines hinting at a familiar order. At the edges it begins to crumble. The space becomes entangled. Cracks, fragments that elude direction. What do we orient ourselves by? And what do the forms that want to provide information on the margins tell us? The legends. Colors. Subdivisions. We scan the black surface, the lines and dive into the blanks. Glide further along a curve. Transparencies. Layers. Imprints. We bend around the globe to find the right distance. With the equator wrapped around our bellies, we stretch our heads over the implied pole. A snow-white survey point is cast in. A relief of lines opens up around the circular shape. Letters. Perspectives. Unfolded in space. The earth is a cylinder. We find ourselves in a cylinder. The maps we have mentally stored – we curve in them. How far apart are we as a surface? The skull split in half at the crown. Ships passing slowly behind the ear. Through the scalp, the continents and oceans thrown onto the cylinder. Mercator projection, already used centuries ago in seafaring. Distorted space in favor of measurable distances. 

Ruler – Pen – Ink – Wiping
Ruler – Pen – Ink – Wiping – Black

Pushing it – Pushing it

Ruler – Pen – Ink – Wiping
Ruler – Pen – Ink – Wiping – Black

S. browses through the atlases, collects the projections. Scans. Traces. Cuts out. Exposes. Prints. Pours. Lets spaces emerge. No definable places. Found things. The work with the collages as well as with the plasterboards are attempts to get back from the mathematically constructed to something topographical. In the silkscreens, too, she tries to break the constituted again. The surfaces suggest depth and yet remain directly delimited. They refuse to be attributed. How much information is needed? S. juxtaposes the world, which passes by fragmentarily as we turn the pages, with a simultaneity. Comprehensible at one glance. Surveyed, boldly. The bottom of the sea remains still in the dark. How the waves are breaking. Sound makes no distinction between reef and swimming creatures. Cartographic overlays. The lines as witnesses of time in constant change. Data-based. Satellite images. Grids. Ideas as if in drone flight. Flushed back and forth again. Each stroke a wipe. Pushing. Swinging. The topography becomes its own language, its code. In between, S. approaches in automated drawing. A resting of the head. The pen becomes lighter. Glitches. A tonal process. We listen to the echo of the cards.

EXHIBITION

Installation view, Sophie Dvořák: Read me carefully, follow me closely, doubt me not.
photo credit: Christoph Schlessmann/Viadukt